Mit seiner Keynote eröffnete Sem Dietterle das GOTTDIGITAL Barcamp 2026 – und setzte damit bewusst einen thematischen Rahmen für den gesamten Tag. Im Zentrum stand die spürbar neue Situation, in der sich Kirche aktuell bewegt: Social Media verändert sich rasant, Plattformlogiken verschieben sich, Reichweite ist immer stärker algorithmisch geprägt – und gleichzeitig hält Künstliche Intelligenz Einzug in nahezu alle Bereiche digitaler Kommunikation.
Sem machte deutlich, dass wir es nicht mehr mit einer bloßen Weiterentwicklung bestehender Tools zu tun haben, sondern mit einem strukturellen Wandel. KI beeinflusst, wie Inhalte gefunden, gefiltert und bewertet werden. Social Media ist nicht länger nur ein zusätzlicher Kanal, sondern ein prägender öffentlicher Raum. Für die Gemeindearbeit der Zukunft bedeutet das: Kommunikation wird strategischer, schneller – aber auch anspruchsvoller. Es braucht Klarheit über Haltung, Zielgruppen und Verantwortung.
Die Keynote war damit kein Technikvortrag, sondern eine Standortbestimmung: Wo stehen wir als Kirche in einer KI-geprägten Medienwelt – und wie gestalten wir Gemeinde so, dass sie auch morgen noch sichtbar, verständlich und relevant bleibt?
Hinweis: Die Zusammenfassung aller Barcamp-Sessions findet ihr in diesem Blog-Beitrag.
Aufzeichnung der Keynote
Hier findet ihr den kompletten Vortrag auf unserem YouTube-Channel:
Hinweistext
Präsentation der Keynote
Die Präsentation von Sem findest du hier zum download.
Sem’s KI-Tools für die Glaubensvermittlung
Unter diesem Link findet ihr mehrere Custom Bots, die Sem für den Gebrauch im kirchlichen Bereich erstellt hat.
KI-Zusammenfassung des Inhalts
Im Folgenden findet ihr eine KI-generierte Zusammenfassung des Vortrages mit der Darstellung der Kernthesen.
Hinweis zur Transparenz: Die Zusammenfassung ist nicht vom Referenten verifiziert worden.
Ausgangspunkt: Kirche steht in einer neuen Medienrealität
Sem macht gleich zu Beginn deutlich: Wir befinden uns nicht einfach in einer Phase „neuer Tools“. Wir erleben einen strukturellen Wandel der Öffentlichkeit.
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Menschen recherchieren anders.
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Vertrauen entsteht anders.
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Wahrnehmung funktioniert anders.
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Orientierung wird schwieriger.
Social Media versteht er dabei weit gefasst – nicht nur Instagram oder TikTok, sondern die gesamte digitale Öffentlichkeit.
Und KI ist kein Zusatz, sondern ein Beschleuniger dieser Entwicklung.
These 1: Menschen betreten Kirche digital, bevor sie analog kommen.
Sem schildert eine konkrete Erfahrung: Neue Besucher seiner Gemeinde sagten ihm, sie seien „schon längst da“ gewesen – sie hätten Predigten gesehen, Personen kennengelernt, Atmosphäre wahrgenommen. Nur physisch waren sie noch nicht erschienen. Das verändert die Logik von Gemeinde fundamental.
Digitale Präsenz ist kein Schaufenster mehr
Sie ist:
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Vorab-Besuch
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Vertrauensaufbau
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Werteprüfung
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Identitätsabgleich
Menschen betreiben Risikominimierung. Niemand möchte in eine Kirche gehen, die nicht zur eigenen Überzeugung passt.
Neu: KI wird zur Suchmaschine
Sem berichtet von einer Besucherin, die sagte: „Ich habe euch über ChatGPT gefunden.“
Das ist mehr als eine Anekdote. Es bedeutet:
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Sprachmodelle werden Gatekeeper.
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Inhalte müssen maschinenlesbar sein.
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Gemeinden brauchen klare digitale Identität.
Die Frage lautet künftig nicht nur:
Wie sieht unsere Website aus?
Sondern:
Kann eine KI erklären, wer wir sind?
These 2: In der KI-Contentflut suchen Menschen Orientierung
Sem zeichnet ein realistisches Bild:
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KI-Influencer mit Millionen Reichweite
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Hyperrealistische Videos
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Fake-Interviews
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synthetische Persönlichkeiten
Fakt und Fiktion verschmelzen.
Das Problem ist nicht nur technische Manipulation. Das Problem ist Vertrauensverlust.
Die entstehende Misstrauenskultur
Sem beschreibt, dass er selbst inzwischen bei vielen digitalen Inhalten automatisch misstrauisch wird.
Wenn alles generiert sein kann, wenn jedes Bild künstlich sein könnte, wenn jedes Video synthetisch sein kann – dann entsteht chronisches Misstrauen.
Die Chance der Kirche
In dieser Situation wächst die Sehnsucht nach:
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Halt
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Stabilität
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Echtheit
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verlässlichem Weltbild
Kirche darf sich deshalb nicht in Klickzahlen verlieren.
Sie muss stattdessen klarer werden:
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Woran glauben wir?
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Wofür stehen wir?
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Welche theologische Substanz tragen wir?
Sem betont:
Nicht Viralität wird in Zukunft zählen – sondern Verwurzelung.
Kirche besitzt hier einen enormen Vorteil: Über Jahrhunderte gewachsene Glaubensüberzeugungen.
These 3: Verletzlichkeit ist das stärkste digitale Vertrauenssignal
In einer Welt perfekter KI-Produktionen gewinnt das Unperfekte.
Sem plädiert für:
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Live-Streams statt ausschließlich geschnittener Videos
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sichtbare Fehler
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echte Menschen
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transparente Prozesse
Er beobachtet: Menschen kommen nicht trotz der Echtheit – sondern wegen ihr.
Trust Signals
KI-Systeme bewerten Glaubwürdigkeit anhand von Signalen:
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reale Rezensionen
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Google Maps Einträge
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aktive Accounts
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echte Interaktion
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lokale Verankerung
Was Influencer mühsam wieder aufbauen (Community-Events, Offline-Treffen), hat Kirche seit jeher: reale Gemeinschaft.
Die Zukunft liegt nicht im Entweder-oder, sondern im Zusammenspiel von digitaler Sichtbarkeit und analoger Tiefe.
These 4: KI steigert – richtig genutzt – geistliches Wachstum
Hier wird Sem sehr praktisch. Er nutzt KI nicht zur Predigt-Automatisierung, sondern zur Unterstützung.
Konkrete Anwendungsbeispiele
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Exegese-Vorbereitung mit theologischen Quellen
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Vergleich unterschiedlicher Denktraditionen (z. B. Augustinus, Luther)
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kreative Jugendgottesdienst-Einstiege
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Diskussionsfragen für Hauskreise
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Strukturhilfe für Predigten
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Kernbotschaften verdichten
Wichtig ist ihm:
Kein geistlicher Inhalt ohne „Human in the Loop“
KI liefert Impulse, der Pastor verkörpert sie.
Er berichtet von Jugendlichen, die begeistert auf kreative KI-gestützte Bibelspiele reagierten – nicht wegen der Technik, sondern wegen der neuen Zugänglichkeit.

